Ist Glück ein Anspruch oder ein Arbeitsauftrag
Zu Weihnachten wird stets viel von Glück gesprochen. Familie, Nähe, Harmonie soll gleich Glück sein.
Als wäre Glück ein Zustand, der sich automatisch einstellt, wenn der Tisch gedeckt ist und alle da sind.
Das ist eine schöne Vorstellung, aber sie ist auch eine gefährliche. Wir leben ja in einer Zeit, in der der Tisch bei fast allen gedeckt ist. Gleichzeitig haben wir den höchsten verbrauch an Psychopharmaka.
Wer Glück an äußere Konstellationen bindet, macht sein Glück sehr zerbrechlich.
Wer glaubt, Glück entstehe durch Umstände, übergibt die eigene innere Ordnung an das Außen und erwartet, dass es liefern möge!
Tief und Yogisch betrachtet ist Glück kein Ereignis sondern ein Zustand des Geistes. Dieser Zustand ist zu erwerben als das Resultat von Klarheit, nicht von Stimmung.
Familie kann Glück vertiefen, ja. Sie kann es aber nicht erzeugen.
Nähe kann nähren. Sie kann aber auch Unruhe verstärken; immer dann, wenn der innere Kompass fehlt.
Deshalb erleben so viele Menschen keine Freude, sondern Dauer- Spannung.
Das geschieht immer dann, wenn Erwartungen auf ungeklärte innere Strukturen treffen. Dann wird Glück verlangt und erwartet, wo Ordnung fehlt.
Die alten Yogaschriften sind hier nüchtern.
Sie versprechen kein dauerhaftes Glück durch Bindung, sondern durch Erkenntnis.
Nicht durch Besitz, nicht durch Beziehungen, nicht durch Rollen.
Glück im yogischen Sinn ist kein Hoch-Gefühl, sondern es ist vielmehr die Fähigkeit, innerlich nicht auseinanderzufallen. Still zu bleiben, auch wenn es rundum laut wird und wach zu bleiben, auch und gerade wenn Emotionen ziehen. Daran ist ersichtlich, wo innere Reife da ist. Und wo sie fehlt.
Glück ist zu kultivieren, anstatt es länger zu suchen und zwar nicht als Gefühl, sondern als Haltung.
Einer Haltung, nicht abhängig von Menschen, sondern gegründet in Selbstführung.
Und los gehts noch heute!


