Verarbeitung – Heilt das wirklich?
Verarbeitung – Heilt das wirklich?
Kaum ein Begriff wird heute so häufig verwendet wie „Verarbeitung“.
„Du musst deine Kindheit verarbeiten.“
„Du musst den Verlust verarbeiten.“
„Du musst das Trauma verarbeiten.“
Was bedeutet das?
Reden wir vom immer wiederkehrenden Nachdenken über die Vergangenheit?
Kann das heilend sein? Oder könnte es sein, dass wir da etwas ganz falsch verstehen?
Prüfen wir die Bedeutung in der Psychologie
Die moderne Psychologie versteht darunter, dass belastende Erfahrungen bewusst wahrgenommen, verstanden und in die eigene Lebensgeschichte „integriert“ werden.
Was wir unter integrieren zu verstehen haben ist wenn ich sagen darf „schwammig“. Ich habe keine eindeutige wissenschaftliche Definition gefunden.
Am besten kommt es hin unter Integration zu verstehen, dass eine Erinnerung Teil der eigenen Lebensgeschichte wird, ohne das gegenwärtige Denken, Fühlen und Handeln fortlaufend unwillkürlich zu steuern.
Was bitte ist dann das Ziel des Verarbeitens?
Das Ziel ist offenbar nicht das Vergessen, das widerspräche der Natur.
Das Ziel ist, dass die Vergangenheit die Gegenwart nicht mehr beherrscht.
Dieser Gedanke ist wichtig und richtig, er beantwortet aber nicht die entscheidende Frage:
Wie geschieht das?
Wer verarbeitet etwas, würde das Yoga sagen.
Patañjali fordert nicht, die Vergangenheit zu beseitigen.
Er sagt, Ziel des Yoga sei:
„Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der Bewegungen des Geistes.“
(Yogaś citta-vṛtti-nirodhaḥ – Yoga Sūtra I.2)
Zur Ruhe kommen.
Ich habe hier den leisen Verdacht, dass dort die Tür zum heilenden Aspekt des Yoga liegt.
Schließlich liegen im Geist die Samskaras – Eindrücke, Erinnerungen und Prägungen.
Taucht eine Erinnerung auf, erscheinen gleichzeitig Bilder, Gefühle, Körperreaktionen und Gedanken und es geht los; aus mit der Ruhe und wieder im alten Trauma.
Das traumatische Ereignis prägt Erinnerungen und das eigentliche und anhaltende Leiden entsteht nicht aus dem Ereignis selbst, das ist Geschichte, sondern aus den gespeicherten Erinnerungen, die vermittels bestimmter Trigger immer wieder hervorgerufen werden und den betreffenden Menschen so immer wieder in denselben inneren Zustand zurückfallen lassen (Panikattacken, etc).
Der eigentliche Irrtum
Viele Menschen scheinen zu glauben, Verarbeitung bedeutet, immer wieder in die Vergangenheit zurückzugehen.
Yoga würde sagen:
Verarbeitung bedeutet, heute ein Bewusstsein zu entwickeln, das von der Vergangenheit nicht mehr beherrscht wird und das ist ein unglaublicher und fundamentaler Unterschied!
Dadurch passiert im wahrsten Sinne des Wortes „Bewältigung“!
Es verschwindet nicht die Erinnerung, aber: die Erinnerung Verliert an Macht!
Was also heilt?
Heilung geschieht nicht dadurch, dass wir dieselbe Geschichte hundertmal erzählen.
Heilung geschieht dadurch, dass wir uns im Hier und Jetzt entwickeln.
Mit jeder Yogastunde.
Mit jedem Atemzug.
Mit jeder Meditation.
Mit jeder bewussten Entscheidung.
Mit jedem Akt der Wahrhaftigkeit.
Mit jeder Erfahrung innerer Sicherheit.
So wird der Mensch, dem die Angst die Kraft des Nervensystems geraubt hat wieder stärker.
Der Geist wird ruhiger.
Prāṇa beginnt wieder freier zu fließen (und dazu braucht der Betroffene einen Pranic Healer, der dafür sorgt, dass die Lebensenergie nicht mehr stagniert, sondern wieder freier fließt.
Aber Pranic Healer erkenne Deine Grenze: Pranic healing ist ungeheuer hilfreich und entlastend und harmonisierend, die Trigger werden allerdings dennoch kommen. Sie erscheinen und dann besteht die Gefahr, dass der Klient über die Erinnerung in sein gut bekanntes Elend geführt wird. Damit es zu einer raschen Regeneration kommen kann ist daher die Mitarbeit des Klienten unabdingbar.)
Das Nervensystem soll langsam Neues lernen:
Die Gefahr ist vorbei, Ich bin wirksam am Leben, ich will, ich darf und ich kann.
Woran erkennt man Heilung?
Nicht daran, dass die Vergangenheit vergessen ist. Sondern daran, dass dieselbe Erinnerung auftauchen kann, ohne den Menschen wieder in das verletzte Kind zurückzuwerfen.
Trauer darf bleiben.
Liebe darf bleiben.
Auch Schmerz darf noch da sein.
Aber die Vergangenheit bestimmt nicht mehr das Leben.
Vielleicht ist „Verarbeitung“ also das falsche Wort.
Es geht ja in Wahrheit gar nicht darum, die Vergangenheit zu „verarbeiten“.
Nach 30 Jahren Begleitung von Menschen geht es letztlich darum, die Entwicklung wieder aufzunehmen, die das Trauma unterbrochen hat.
Das Kind wollte wachsen.
Es wollte seinen eigenen Willen entwickeln.
Es wollte sich entfalten.
Und das Trauma hat diesen Weg unterbrochen.
Yoga fragt nicht:
„Wie werde ich meine Vergangenheit los?“
Sondern:
„Wie beginne ich heute, mein eigenes Leben zu leben?“
Genau darin liegt die eigentliche Heilung.
Nochmals: Nicht die Vergangenheit verschwindet.
Der Mensch wächst über sie hinaus.
Mögen diese Betrachtungen dienlich sein. Om Shanti









