Yoga – es hilft wirklich!

Darstellung: Mensch, Yogatechnologie nach Patañjali und deren Wirkung

Ursprung

Patañjali formuliert Yoga nicht als Gymnastik, sondern als präzise Technologie des Bewusstseins.

Yoga Sūtra 1.2

Yogaḥ citta vṛtti nirodhaḥ

Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen des Chitta.

In der Unruhe ist der Ausgangspunkt.

Der Mensch leidet nicht primär an der Welt, sondern an den unkontrollierten Bewegungen seines Inneren (Feldes).

Die Yogatechnologie ist ein systematischer Eingriff in das menschliche System.

Der Mensch im yogischen Modell

Der Mensch besteht aus mehreren Ebenen, die miteinander wirken.

Körper

Das physische System mit Nerven, Hormonen, Faszien, Muskeln.

Prana

Die vitale Energie, die Bewegung, Wärme, Wahrnehmung und Regeneration ermöglicht.

Chitta

Das psychische Feld mit Gedanken, Emotionen, Erinnerungen und Prägungen.

Ahamkara

Das Ich-Gefühl, das sagt: ich bin das.

Buddhi

Die unterscheidende Intelligenz, die Wahrheit von Täuschung unterscheiden kann.

Purusha

Das reine Bewusstsein, das alles wahrnimmt, aber selbst unverändert bleibt.

Das Problem des Menschen

Patañjali beschreibt fünf Grundstörungen des Bewusstseins.

Avidya

Verwechslung von Wirklichem und Unwirklichem

Asmita

Verwechslung von Beobachter und Instrument

Raga

Anhaftung

Dvesha

Abneigung

Abhinivesha

Angst vor Verlust und Tod

Diese Störungen erzeugen permanente Bewegungen im Chitta.

 

Das Ergebnis ist:

Physisch: Stress und Spannung

Energetisch: Prana wird unruhig

Emotional: Reizbarkeit oder Abhängigkeit

Mental: Gedankenflut

Spirituell: Identifikation mit Körper und Rolle

Die Yogatechnologie greift genau hier ein.


Die Technologie des Yoga

Patañjali beschreibt einen achtstufigen Prozess.

 

1 Yama

Regulierung des Verhaltens

Ahimsa, Gewaltlosigkeit

Satya, Wahrhaftigkeit

Asteya, Nicht Stehlen

Brahmacharya, Mäßigung in allen Lebensbereichen

Aparigraha, Nicht Anhaften, Unabhängigkeit von Dingen erwerben

 

Wirkung

Soziale und innere Konflikte werden reduziert, das Nervensystem beruhigt sich und energetische Lecks werden geschlossen.

Ohne Yama bleibt jede Meditation instabil.

 

2 Niyama

Innere Disziplin

Shaucha, Reinheit

Santosha, Zufriedenheit

Tapas, Disziplin, Ausdauer, bewusste Anstrengung

Svadhyaya, Selbststudium

Ishvara Pranidhana, Hingabe an das Höchste, Ausrichten des Lebens auf die göttliche Wahrheit

 

Wirkung

Das Chitta wird ausgerichtet.

Der Mensch beginnt Verantwortung für seinen inneren Zustand zu übernehmen.

 

3 Asana

Stabilität im Körper.

Yoga Sūtra 2.46 Sthira sukham asanam. Die Haltung ist stabil und mühelos.

Wirkung

Physisch: Regulation von Faszien, Muskulatur und Nerven.

Energetisch: Prana beginnt gleichmäßig zu fließen.

Psychisch: Der Körper hört auf zu stören.

 

4 Pranayama

Regulation der Lebensenergie über Atem.

Yoga Sūtra 2.49

 

Wirkung

Physisch: Einfluss auf das autonome Nervensystem.

Energetisch: Prana wird gesammelt.

Mental: Gedanken werden langsamer.

 

5 Pratyahara

Rückzug der Sinne.

Der Mensch hört auf, ständig auf äußere Reize zu reagieren.

 

Wirkung

Das Chitta wird weniger fragmentiert.

 

6 Dharana

Fokussierung des Geistes. Der Geist lernt, bei einem Objekt zu bleiben.

 

Wirkung

Buddhi beginnt wieder zu führen.

 

7 Dhyana

Meditation.

Der Fokus wird stabil. Die Unterbrechungen verschwinden.

 

Wirkung

Tiefe Beruhigung des Chitta.

 

8 Samadhi

Verschmelzung von Beobachter und Objekt. Der Beobachter erkennt sich selbst als Bewusstsein.

Yoga Sūtra 1.3

Tadā draṣṭuḥ svarūpe avasthānam. Dann ruht der Seher in seiner eigenen Natur.

 

Die Wirkung der Yogatechnologie

Physisch: Reduktion chronischer Stressreaktionen. Bessere Regulation von Atem, Herz und Nervensystem.

Energetisch: Prana wird gesammelt und nicht mehr zerstreut.

Emotional: Reaktionen werden weniger impulsiv. Emotionen werden wahrgenommen, ohne zu dominieren.

Mental: Gedanken verlieren ihre tyrannische Macht.

Spirituell: Der Mensch erkennt:

Ich bin nicht Körper.

Ich bin nicht Gedanken.

Ich bin das Bewusstsein, das alles wahrnimmt.

 

Der Kern

Yoga verändert nicht die Welt. Yoga verändert das Instrument, mit dem du die Welt erlebst.

Unruhiges Chitta erzeugt eine unruhige Welt. Klares Chitta erkennt Wirklichkeit.

Darum ist Yoga keine Philosophie sondern eine Technologie der inneren Ordnung.

Wenn diese Ordnung entsteht, geschieht etwas Entscheidendes:
Der Mensch reagiert nicht mehr nur.
Er erkennt.